Foto Portrait von Schriftsteller Timo Rowek

Ich bin vermutlich 1975 geboren worden. Mein genaues Geburtsdatum ist mir nicht bekannt, da meine Eltern mich sofort nach meiner Geburt in Singapur aussetzten, vermutlich weil ihre Koffer bereits das zulässige Gewicht für den Rückflug erreicht hatten und sie sich nicht in zusätzliche Unkosten stürzen wollten. Jedenfalls wurde ich dort in einem kleinen abgelegenen Küstendorf von Gebrauchtwarenhändlern aufgezogen und in der Seemannskunst ausgebildet.
Als während einer Segeltour unser Schiff von der britischen Marine geentert und ich mit meinen Onkeln verhaftet wurde, erfuhr ich, dass sie Piraten waren. Aufgrund meiner exzellenten Kenntnisse der Gewässer setzte mich Lieutenant Commander Beckett zunächst als Lotse ein, später dann als Midshipman.
Das beschwor natürlich den Ärger meiner neuen Kameraden herauf und nach einer haarsträubenden Meuterei wurde ich erneut ausgesetzt, doch diesmal in der Nähe der Südspitze von Afrika. Was mir, von meiner misslichen Lage einmal abgesehen, gar nicht gefiel, war das Klima.
So beschloss ich nach Norden zu gehen. Ich lernte einen Medizinmann der Himba kennen, der mich in die Künste des Überlebens auf diesem Kontinent einwies, kaufte mir ein Paar Sandalen und zog los, bis ich nach gut einem Dreiviertel-Jahr meine erste lange Nacht im Norden Norwegens erlebte. Ich verbrachte dort einige Jahre als Fischer und malte in meiner Freizeit in einem kleinen Gartenhäuschen, ganz nah am Meer. Dort lernte ich auch meine vierte Frau Tiril kennen, mit der ich zweieinhalb wundervolle Kinder zeugte: Calimba, Johannes und den halben Schrumpel.
Es hätte alles so schön werden können, doch das Schicksal wollte es anders, als eines Tages ein Geheimdienst (den ich nicht nennen darf) unser Haus stürmte und alles kurz und klein schoss und ich, schwer verletzt, in einem Ruderboot als einziger Überlebender flüchten konnte. Ich mache mir auch heute noch schwere Vorwürfe: Mein liebstes Bild, das die Küste bei Sturm zeigt und das ich grade erst vollendet hatte, musste ich zurücklassen.
Ich beschloss, noch in der kleinen Nussschale, ab sofort nie wieder zu malen, sondern mich aufs Schreiben zu verlegen, da man dort seine Notizen und Werke viel leichter mit sich führen kann. So ruderte ich bis nach Husum, wo ich auch heute noch wohnhaft bin und grade ein kleines Gewerbe angemeldet habe. Ich biete, mit noch mäßigem Erfolg, selbstgestrickte Pantoffeln für Chinchillas an. Meinem Versprechen, was das Schreiben angeht, bin ich jedoch treu geblieben und wenn ich nicht grade zwischen meinen Wollknäulen hocke, sitze ich beim Lichte einer alten Waltranfunzel an meinen Steintafeln und kratze meine Geschichten hinein.


 

Wenn Sie Kontakt aufnehmen oder mir eine Nachricht zukommen lassen wollen, nutzen Sie bitte folgendes Formular:

 

Hinweis: Bitte die mit * gekennzeichneten Felder ausfüllen.